making of

In der Glaswerkstatt...

oder wie mein Meister zu sagen pflegte: "in der Giftküche"!

Von 2008 bis 2011 durchlief ich in der Bleiglaserei Kutzner eine Ausbildung zur Glasveredlerin mit dem Schwerpunkt auf Glasmalerei.

Jede dritte Woche ging es zur Glasfachschule nach Hadamar in Hessen. Während des dreiwöchigen Blocks wurde dort das theoretische und praktische Wissen der Arbeit mit Glas vermittelt.

 

Zurück in Leipzig habe ich den Alltag in der Werkstatt mit meinen lieben Kollegen gemeistert. Es war sehr abwechslungsreich und körperlich oft anstrengend. Da es ein kleiner Betrieb ist, konnte ich als Lehrling an allen Tätigkeiten eines Bleiglasers teilhaben: Glas zuschneiden, verbleien, verlöten usw.. Aber auch zu den zahlreichen Montagen durfte ich mitkommen und beim Aus- und Einbau von Bleifenstern helfen.

 

So einige Narben zieren meine Hände, aber ich trage sie gern und jede einzelne hat ihre eigene Geschichte.

 

Nach der Ausbildung arbeitete ich noch einige Monate in der Werkstatt bevor ich ein Studium an der Burg Giebichenstein für Kunst und Design in Halle begann. Aber auch jetzt noch fertige ich Glasmalarbeiten für meine Kollegen im Auftrag an oder nutze die Werkstatt für die Projekte im Studium.

 

 

Und so funktioniert die Glasmalerei:

 

1. Zunächst wird das Motiv auf Papier gemalt. Es wird exakt so gemalt, wie das Motiv auf dem Glas später aussehen soll- mit allen Farben und Schraffuren.

 

2. Die Kontur wird auf ein Blatt Transparentpapier übertragen und darauf wird die zurechtgeschnittene Glasscheibe gelegt.

 

3. Die Konturfarbe wird angemischt. Es gibt zwei Arten von Konturfarbe: auf Wasser- oder Ölbasis.

 

4. Die Konturlinien werden entweder mit einem speziellen langhaarigen, schmalen Pinsel oder mit einer Feder ausgeführt. "Vermalt" man sich, kann die Kontur mit dem Tuch weggewischt und neu ausgeführt werden.

 

5. Die bemalte Glasscheibe wird auf ein Metallblech, das mit Kreide gepudert ist, mit der bemalten Seite nach oben gelegt und bei 600-620 °C zum ersten Mal gebrannt.

 

6. Wenn die Scheibe abgekühlt ist, wird sie mit einem dünnen Farbüberzug auf Wasserbasis in schwarz oder braun überzogen und getrocknet. Mit speziellen Borstenpinseln und Federn werden Lichter und Strukturen herausmodeliert. Die Glasscheibe muss nun zum zweiten Mal gebrannt werden.

 

7. Danach werden Farben aufgetragen und zwar von der anderen Seite der Glasscheibe, so dass sie hinter der Zeichnung liegen. Je nach Anzahl der Farben und ihren Zwischentönen muss die Glasscheibe mehrmals wieder in den Brand.

 

8. Zum Schluss wird die bemalte Scheibe zusammen mit den anderen Scheiben verbleit, verlötet und verkittet. Eingesetzt in einen Fenster- oder Türrahmen erfreut sie den Betrachter viele Jahre.

 

© Copyright Natalia Lenzendorf